Gamay Noir
Gamay Noir, fachlich meist Gamay beziehungsweise Gamay noir à jus blanc, ist eine früh reifende schwarzbeerige Rebsorte burgundischen Ursprungs. Genetische Untersuchungen führen sie auf eine natürliche Kreuzung von Pinot Noir und Gouais Blanc zurück. Ihr heutiges Kerngebiet ist das Beaujolais, wo sie den überwiegenden Teil der Rebfläche prägt. Typisch sind fruchtbetonte, eher moderat gefärbte und wenig tanninreiche Rotweine; auch Rosé ist etabliert. Die Sorte ist fruchtbar, jedoch eher schwachwüchsig und verlangt eine gezielte Ertragssteuerung. Kompakte Trauben und ihre Empfindlichkeit gegenüber Graufäule machen eine sorgfältige Bestandsführung besonders wichtig.
Rebsorten-Steckbrief
- Farbe
- schwarzbeerige Rebsorte mit farblosem Saft
- Herkunftsland
- Frankreich
- Herkunftsregion
- Burgund
- Entstehung
- Natürliche Kreuzung aus Pinot Noir und Gouais Blanc.
- Typischer Stil
- Gamay ergibt typischerweise fruchtbetonte, mäßig farbintensive und eher wenig tanninreiche Rotweine. Bei Ganztraubenmaischung kann der Stil besonders saftig und aromatisch wirken; im Beaujolais reicht das Spektrum von jung zu trinkenden, leichten Weinen bis zu strukturierteren, lagerfähigen Crus. Roséweine sind ebenfalls gebräuchlich.
Herkunft & Besonderheiten
Plantgrape ordnet Gamay ursprünglich dem Burgund zu. Vor der Reblauskrise war die Sorte in Frankreich deutlich weiter verbreitet; Inter Beaujolais nennt historische Flächen von mehr als 160.000 ha. Heute liegt ihr Schwerpunkt klar im Beaujolais. Dort ist Gamay seit Jahrhunderten eng mit dem Gebiet verbunden und bildet die Grundlage der roten und roséfarbenen Beaujolais-Stile vom Nouveau bis zu den Crus.
Gamay ist eher schwachwüchsig, zugleich fruchtbar und kann bei zu hohen Erträgen an Leistungsfähigkeit verlieren. Die Produktion sollte daher gesteuert werden. Die Sorte reift früh und gilt als hitzeempfindlich. Ihre kleinen, eher kompakten Trauben erhöhen unter ungünstigen Bedingungen das Risiko für Graufäule. Plantgrape empfiehlt kurzen Schnitt und dokumentiert, dass Sekundärknospen nach Frühjahrsfrost vergleichsweise fruchtbar sein können.
Weinprofil
Frucht
Blüten
Würze
Anbau, Klima & Boden
- Austrieb
- Austrieb etwa gleichzeitig mit Chasselas.
- Reifezeitpunkt
- Früh reifend; etwa eineinhalb Wochen nach Chasselas.
- Ertragsniveau
- Fruchtbar; der Ertrag muss gezielt begrenzt beziehungsweise gesteuert werden, besonders auf sehr fruchtbaren Standorten.
- Wuchskraft
- eher schwachwüchsig
- Krankheitsanfälligkeit
- Empfindlich gegenüber Graufäule, Phomopsis, Holzkrankheiten, Traubenwicklern und Vergilbungskrankheiten der Rebe.
- Schwierigkeit im Weinberg
- Frühe Reife, hohe Fruchtbarkeit bei geringer Wuchskraft und kompakte Trauben verlangen eine ausgewogene Ertrags- und Laubwandführung. In sehr fruchtbaren Böden und warmen Klimaten kann sich die Sorte bei zu hoher Produktion erschöpfen; ungünstiges Blühwetter kann Millerandage fördern.
Geeignete Böden
Anbaugebiete & Zahlen
Wichtige Regionen
- Weltweite Anbaufläche
- 27.469 ha (OIV-Datenstand 2015)
- Hektar je Land
- Frankreich 25.704 ha, Schweiz 1.341 ha, Kanada 228 ha und USA 123 ha (jeweils OIV-Datenstand 2015).
- Entwicklung der Fläche
- Plantgrape dokumentiert für Frankreich 37.806 ha im Jahr 1958 und 23.650 ha im Jahr 2018; damit ging die französische Gamay-Fläche über diesen langen Zeitraum deutlich zurück.
- Wichtigste Länder
- Frankreich, Schweiz, Kanada, Vereinigte Staaten
Weinbereitung & Genuss
Geeignet für
- trockener Rotwein
- Roséwein
- Primeurwein
Ausbau
- Ganztraubenmaischung
Bekannte Weine
- Beaujolais
- Beaujolais Villages
- Beaujolais Nouveau
Beziehungen zu anderen Sorten
Elternsorten
Klone
Häufige Fragen
Ist Gamay Noir dasselbe wie Gamay?
Ja. Die französische Sortendokumentation führt die Sorte als Gamay N beziehungsweise Gamay; im internationalen Flächenbericht der OIV erscheint sie als Gamay Noir. Gemeint ist die schwarzbeerige, hellsaftige Rebsorte, die das Beaujolais prägt.
Woher stammt Gamay?
Plantgrape nennt Burgund als Ursprungsgebiet. Genetische Analysen ordnen Gamay als natürliche Kreuzung von Pinot Noir und Gouais Blanc ein. Sein heutiges wichtigstes Anbauzentrum ist das unmittelbar südlich anschließende Beaujolais.
Wie schmeckt ein typischer Gamay-Wein?
Typische trockene Gamay-Rotweine sind fruchtbetont, mäßig farbintensiv und eher tanninarm. Im Beaujolais werden häufig Aromen von Himbeere, Walderdbeere, Brombeere und Schwarzkirsche sowie gelegentlich pfeffrige oder florale Noten beschrieben.
Warum ist Gamay im Weinberg anspruchsvoll?
Die Sorte ist fruchtbar, aber eher schwachwüchsig. Zu hohe Erträge können sie erschöpfen, kompakte Trauben begünstigen bei feuchter Witterung Graufäule und ungünstiges Wetter während der Blüte kann Millerandage fördern. Ertragssteuerung ist daher wichtig.
Welche Weine werden aus Gamay erzeugt?
Gamay wird vor allem zu Rotwein verarbeitet, im Beaujolais aber auch zu Rosé. Das Spektrum reicht von früh freigegebenen Primeurweinen wie Beaujolais Nouveau bis zu strukturierteren Weinen aus den Beaujolais-Appellationen, die auch reifen können.